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Funktionen – gewandelter Blick auf Kommunikation und wirkungsvolle PR

(Gastbeitrag erstveröffentlicht auf “PR im Wandel”) Im Mittelpunkt dieses Blogs “PR im Wandel” stehen das Problem zunehmend unwirksam werdender PR-Konzepte und die Suche nach Alternativen. Die betreffenden Probleme und Alternativen treten offen zu Tage, hinterfragen wir das in der PR-Branche übliche Kommunikations-Modell: PR-Carambolage Üblich ist die physikalisch-mechanistische Vorstellung, dass Botschaften oder Informationen mit Hilfe von [...]

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Erfolgsformel für Social Media-Strategien: Neues Ebook zum Downloaden

Social Media sind in aller Munde. Die einen sind begeistert von den neuen Kommunikationskanälen, andere fürchten um die Kommunikationskultur und um den Bestand ihres gewohnten Medienangebots. Welchen Einfluss haben Social Media auf Meinungsbildungsprozesse und welche Risiken oder Chancen bieten sie uns in Zukunft? Bisher gibt es kaum schlüssige Antworten. Einen guten Eindruck davon, wie Social [...]

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Deutsche Bank und Rolf-E. Breuer: Propheten in der Zwickmühle

Im Jahr 2002 hatte der damalige Deutsche-Bank-Chef Rolf-E. Breuer in einem Interview die Kreditwürdigkeit von Leo Kirch angezweifelt und dadurch das Ende der Firmengruppe Kirch eingeläutet. Seine Äußerungen werden die Bank voraussichtlich per Vergleich 800 Millionen Euro kosten. Es wird darüber gerätselt, ob der Deutsche Bank-Sprecher sich damals “versprochen” hatte, zu “geschwätzig” war oder ob [...]

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Planungs-Kompass für Social Media – Analyse der Strategie-Formel in drei Teilen

Studie entschlüsselt Mechanismen anhand der Kommunikations-Prozesse im arabischen Frühling. Social Media sind in aller Munde. Die einen sind begeistert von den neuen Kommunikationskanälen, andere fürchten um die Kommunikationskultur und um den Bestand unseres gewohnten Medienangebots. Lösen wir uns von vorschnellen Werturteilen und beschäftigen wir uns mit folgender Fragestellungen: Welchen Einfluss haben Social Media tatsächlich auf [...]

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Funktionen – gewandelter Blick auf Kommunikation und wirkungsvolle PR

(Gastbeitrag erstveröffentlicht auf “PR im Wandel”)

Im Mittelpunkt dieses Blogs “PR im Wandel” stehen das Problem zunehmend unwirksam werdender PR-Konzepte und die Suche nach Alternativen. Die betreffenden Probleme und Alternativen treten offen zu Tage, hinterfragen wir das in der PR-Branche übliche Kommunikations-Modell:

PR-Carambolage

Üblich ist die physikalisch-mechanistische Vorstellung, dass Botschaften oder Informationen mit Hilfe von “PR-Instrumenten” (Presseinformationen, Printmedien, Tweets usw.) auf eine Masse von Individuen “abgeschossen” werden, die dadurch soweit in Bewegung geraten, dass ihre Gedankengänge und Meinungen verändert werden. Kerngedanke dahinter ist die Idee der Wirkung eines “Meinungs-Anstoßes” – so wie Billard-Kugeln durch Queue–Stöße in Bewegung geraten, sollen sich Meinungen und Einstellungen aufgrund von Impulsen verändern. Da PR-Leute nicht mit jedem Mitglied der von ihnen auf diese Weise anvisierten Zielgruppe in direkten Kontakt treten können, haben Autoren wie Dörrbecker das Konzept der “Kraftverstärkung” (“Relaisstationen”) als intervenierende Variablen in ihr vorwissenschaftliches Modell eingebaut. Sie postulieren dabei so etwas wie die Existenz “weißer Kugeln”, die über eine große Masse verfügen, die ganze Pakete individueller Kugeln (“Zielgruppen”) in Bewegung bringen. Diesen weißen Kugeln wird die Fähigkeit verstärkter Meinungsbeeinflussung oder “Meinungsmultiplikation” zugeschrieben. Das Problem dieses klassischen PR-Modells besteht darin, dass die darin bemühte physikalisch-mechanistische “Kosmologie” zu weit weg ist von der realen Welt sozialer Prozesse, Kommunikation und Meinungsbildung.

Modell der Meinungsbildung

Schauen wir hilfesuchend in die soziologische Forschung, kommen wir schnell zu alternativen Modellen der Meinungsbildung. Der schwedische Soziologe Torsten Hägerstrand hat in diesem Zusammenhang eine richtungsweisende Entdeckung gemacht:

Droste Grafik 1

(Zum Vergrößern klicken!)

 

Er erforschte sogenannte “Diffusionswellen” der Durchsetzung von Innovationen im Meinungsbild einer Bevölkerung. Er stellte fest, dass die “Logik” des Wandels von gesellschaftlicher Kommunikation darin besteht, dass neue Themen in Beziehungssystemen individueller Akteure aufgegriffen werden und hier in Interaktionsphasen über einen mehr oder weniger langen Zeitraum wiederholt diskutiert und in Dialogen erwogen werden. Erst nach dem Durchlauf dieser Phasen haben Individuen abschließend ihre Meinung zum betreffenden Thema gebildet. Die zu durchlaufenden Phasen lassen sich allgemein beschreiben als Phase 1: Kampf um Aufmerksamkeit, Phase 2: Kampf um Positionen, Phase 3: Kampf um Konsens, Phase 4: Kampf um Lösungen.

Droste Grafik 2

(Zum Vergrößern klicken!)

 

Was lernen wir daraus?

Wenn PR-Leute heute wirkungsvoll Meinungsbildungsprozesse gestalten wollen, besteht ihre Aufgabe darin, im Interesse ihrer Klienten und im Sinne von deren Botschaften auf die beschriebenen Meinungsbildungsphasen Einfluss zu nehmen – sozusagen parallel vier Kämpfe erfolgreich zu absolvieren. Anders ausgedrückt stellen sich PR-Experten grundsätzlich vier “Kommmunikations-Aufgaben” oder “Funktionen”, die sie zu erfüllen haben: “Beachtung erreichen” im Aktionsfeld “Kampf um Aufmerksamkeit” / “Engagement für den eigenen Standpunkt erreichen” im Aktionsfeld “Kampf um Positionen” / “Kooperation anregen” im Aktionsfeld “Kampf um Konsens” / “Begründen” im Aktionsfeld “Kampf um Lösungen”.

Droste Grafik 3

(Zum Vergrößern klicken!)

Daraus ergibt sich, dass erfolgreiche PR angesichts dynamischer Meinungsbildungsprozesse aus wesentlich mehr besteht als aus der “Verteilung geschickt formulierter Informationen”. Die Aufgabenstellung ist wesentlicher komplexer. Ihre Komplexität wächst mit der Zunahme der von der Bevölkerung genutzten Kommunikationskanäle und der Reichweite der damit entstehenden Vernetzungen und Gruppierungen.

Was bringt die Perspektive der Funktionen?

PR-Fachleute können in dieser Situation Maßnahmen anhand der skizzierten vier Funktionen ausrichten, um sich zu orientieren. Für die Detailarbeit etwa im Rahmen der Kommunikation für Unternehmen ist es in der Praxis notwendig, funktional weiter zu differenzieren.

Droste Grafik 4

(Zum Vergrößern klicken!)

Die PR eines Unternehmens sind umso erfolgreicher, je besser es den Verantwortlichen gelingt, für die jeweils empirisch ermittelten Kommunikations-Funktionen passende Kommunikations-Maßnahmen zu finden und zu nutzen. Die PR als Branche werden Professionalität und Renommee in Wirtschaft und Gesellschaft in dem Maß gewinnen, indem ihren Vertretern die Abstimmung von Wirkungen und Funktionen gelingt.

PR bedürfen mit Blick auf diese Herausforderung dringend des tiefgreifenden Wandels. Diesen zu forcieren ist – wie zu Beginn erwähnt – das Anliegen dieses Blogs. Weiterhin viel Erfolg dabei!

(Grafiken: Copyrights Pedion Verlag Neuss)

Über den Autor
Heinz W. Droste (*1959) hat an der Heinrich-Heine-Universität, Düsseldorf, Sozialwissenschaften, Psychologie und Philosophie studiert (1979-1985: M.A.). Mit einer Arbeit über Handlungs- und Systemtheorie promovierte er 1986 beim Soziologen Richard Münch.
Seit über 25 Jahren ist Droste als Kommunikations-Berater und Konzeptioner für Klienten aus Wirtschaft und Politik tätig. Darüber hinaus leitet er Projekte zur Erforschung von Innovations- und Kommunikationsprozessen in Wirtschaftsunternehmen und politischen Institutionen.
Droste hat bereits eine Reihe von Veröffentlichungen zur Konzeptionslehre und Kommunikationsberatung vorgelegt – darunter unter anderem Standardliteratur zur Finanzkommunikation (“Praktiker-Handbuch Investor Relations”); aktuelles Buch: “Kommunikation – Planung und Gestaltung öffentlicher Meinung” (Ebook-Ausgabe http://www.pedion-verlag.de/ebookshop.html) – Blog: http://www.konzeptionstechnik.de.

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Erfolgsformel für Social Media-Strategien: Neues Ebook zum Downloaden

Social Media sind in aller Munde. Die einen sind begeistert von den neuen Kommunikationskanälen, andere fürchten um die Kommunikationskultur und um den Bestand ihres gewohnten Medienangebots. Welchen Einfluss haben Social Media auf Meinungsbildungsprozesse und welche Risiken oder Chancen bieten sie uns in Zukunft? Bisher gibt es kaum schlüssige Antworten.

Einen guten Eindruck davon, wie Social Media und damit verbundene Mechanismen tatsächlich wirken, vermittelt eine Studie, die ein Team von Kommunikationswissenschaftlern an der University of Washington Ende letzten Jahres vorgelegt hat. Im Rahmen des PITTPI (“Project on Information Technology and Political Islam”) haben sie detailreich die Rolle der Social Media während des arabischen Frühlings untersucht.

Ihre Untersuchungs-Ergebnisse hat der Soziologe und Kommunikations-Wissenschaftler Dr. Heinz W. Droste in einem „Greenpaper“ zusammengefasst und für die Praxis ausgewertet.

In einem Ebook, das er auf seinem Blog zum Download zur Verfügung stellt, werden mit Blick auf die Studie der Universität Washington folgende Fragen untersucht:

Welche Wirkungen hatten Social Media auf Meinungsbildungsprozesse?

Wie ist die Wirkung dieser Medien im Einzelnen einzuschätzen – welche Meinungsbildungsfunktionen haben jeweils Videoportale wie Youtube, Mikroblogs wie Twitter, Online-Communities wie Facebook und Weblogs?

Wie ergänzen sich die Wirkungen dieser Social Media zu einem Gesamtresultat?

Was können Gestalter von Kommunikations-Maßnahmen und Kommunikations-Berater aus den Antworten auf diese Fragen lernen?

 

Wirkungsmodell für Social Media-Strategien

Nach der Zusammfassung der Studien-Ergebnisse lässt sich ein Wirkungsmodell für Social Media-Strategien entwerfen, das als praktisches Instrument der Entwicklung wirkungsvoller Kommunikations-Maßnahmen dient.

Im Detail zeigt sich, dass vier grundlegende Kommunikations-Funktionen abzudecken sind, um Meinungsbildungsprozesse über das Internet zu steuern. Die notwendige Funktionserfüllung erfordert die Nutzung passender Social Media-Kanäle und deren adäquater inhaltlicher Ausgestaltung.

Die Zuordnung von passenden Inhalten und Funktionen zu den verschiedenen Social Media-Kanälen ist wesentlich. Werden durch Social Media-Maßnahmen die individuellen Kommunikations-Bedürfnisse nicht passgenau angesprochen, wird die gewünschte Wirkung im Meinungsbildungsprozess ausbleiben.

Das „Greenpaper“ erscheint am 5. März 2012 und kann kostenlos im Download-Bereich des Kommunikations-Knowhow-Blog www.konzeptionstechnik.de heruntergeladen werden:

Titel: „Greenpaper Nr. 02/2012: Erfolgsformel für Social Media-Strategien entdeckt?“

Format: Ebook im PDF-Format

Umfang: 40 Seiten; 12 Abbildungen

Adresse: www.konzeptionstechnik.de/downloads

 

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Deutsche Bank und Rolf-E. Breuer: Propheten in der Zwickmühle

Im Jahr 2002 hatte der damalige Deutsche-Bank-Chef Rolf-E. Breuer in einem Interview die Kreditwürdigkeit von Leo Kirch angezweifelt und dadurch das Ende der Firmengruppe Kirch eingeläutet. Seine Äußerungen werden die Bank voraussichtlich per Vergleich 800 Millionen Euro kosten.

Es wird darüber gerätselt, ob der Deutsche Bank-Sprecher sich damals “versprochen” hatte, zu “geschwätzig” war oder ob strategische Absichten hinter seinen Äußerungen standen.

In Wirtschaftszeitungen werden zum Thema dieser Tage vor allem juristische Tatbestände diskutiert: Breuer hätte vertragliche Pflichten verletzt, indem er die Kreditwürdigkeit seines Kunden in Frage stellte.

Aus diesem Blickwinkel der Pflichtvergessenheit bleibt der eigentliche Vorgang, die Herbeiführung des Konzern-Zusammenbruchs unbeachtet. Diesen Zusammenbruch lohnt es sich aus dem Blickwinkel des Kommunikations-Beraters zu verstehen. Wir wollen nachvollziehen, wie Breuer Kirchs Imperium mittels einer prominent angebrachten Äußerung den “Todesstoß” konnte.

Breuer nutzt das “Thomas-Theorem”

Die Lösung ist: Breuer hat sich das bekannte, sogenannte “Thomas-Theorem” zu Nutze gemacht.

Für diejenigen Leser, die dieses Theorem nicht kennen, folgt eine kurze Erläuterung:

Das Eponym “Thomas-Theorem” stammt vom amerikanischen Soziologen Robert K. Merton, der damit einen Gedanken von Walter Isaac Thomas und Dorothy Swaine Thomas in deren Buch “The Child in America” aus dem Jahr 1928 aufgreift.

Merton wollte mit dem Ausdruck “Thomas-Theorem” betonen, dass Walter Isaac Thomas, der heute als Begründer der sozialpsychologischen Handlungsforschung gilt, in jenem Buch zu einer Einsicht gelangt war, die er für besonders schlüssig, folgenreich und empirisch relevant hielt:

“[...] probably the single most consequential sentence ever put in print by an American sociologist [...]” – (” [...] wahrscheinlich der folgenreichste Satz, der jemals von einem amerikanischen Soziologen publiziert worden ist[...]“).

Und zwar bezieht sich Merton auf folgenden Satz:

“[...] if men define situations as real, they are real in their consequences [...]” – (“[...] wenn Personen Situationen als wirklich definieren, sind sie in ihren Auswirkungen wirklich [...]“).

Die Erkenntnis hinter diesem Zitat ist mit anderen Worten:

Die Interpretation einer Situation verursacht das Verhalten von Akteuren sowie deren Wahrnehmungen und ihr Denken – nicht die Dinge sind verantwortlich.

Laut Mertons Thomas-Theorem reagieren Menschen offenbar nicht nur auf objektive Gegebenheiten und Informationen hierüber, sondern auch – häufig sogar hauptsächlich – auf die Bedeutungen, welche die Situationen für sie haben, in denen die betreffenden Dinge auftreten. Es handelt sich hierbei um einen dynamischen Prozess – einen Mechanismus -, den Merton als “self-fulfilling-prophecy”, als “sich selbst erfüllende Prophezeiung”, umschrieb.

SelbsterfüllendeProphezeiung

(Zum Vergrößern klicken!)

Deutsche Bank-Chef “drehte den Spieß” um

Ironie der Wissenschaftsgeschichte: Merton beschreibt die Operationsweise dieses Mechanismus am Fall des Zusammenbruchs einer Bank aufgrund der Prophezeiungen von Bankkunden:

Über eine Bank ist das Gerücht in Umlauf gekommen, dieser drohe eine Insolvenz. Daraufhin reagieren einzelne Sparer spontan und heben ihre Einlagen ab. Diese Abhebungen stärken bei anderen Sparern den Glauben an die Begründetheit des Gerüchts, der Bank drohe die Insolvenz. Konsequenz ist, dass noch mehr Sparer ihre Einlagen abheben. Nach kurzer Zeit ist die Bank nicht mehr zahlungsfähig und muss Konkurs anmelden.

Die ursprünglich stabile Finanzsituation der Bank war von einer “Situations-Definition” abhängig gewesen, von dem Glauben an die Verlässlichkeit der Bank und der Seriosität ihres Versprechens, eine eingegangene Zahlungsverpflichtung zu erfüllen.

Geht der Glaube an dieses Versprechen verloren, können jederzeit die Konsequenzen unrealistischer Behauptungen real werden; am Ende kann sich auf diese Weise ein “falscher Prophet” als “Hellseher” feiern lassen.

Offenbar gelang Rolf E. Breuer, den Spieß zugunsten der “Ehre des Bankgeschäfts” umzudrehen. Im Fall der Kirch-Gruppe ist es der Kunde, dem die Prophezeiung seiner eigenen Bank – der Deutschen Bank – zum schnellen Ende verhilft.

Ob Breuer dies als Strategie-Experte für die Nutzung von Meinungs-Strömungen und Trigger-Effekten – er war lange Jahre Leiter des Börsengeschäfts der Deutschen Bank – bewusst bewirkte oder ob er sich “vertan” hat?

Diese Frage können wir hier nicht abschließend behandeln.

Was wir aber feststellen können ist Folgendes:

Sollte Breuer behaupten, er wäre sich der voraussehbaren, gesetzmäßig folgenden Konsequenzen seines Handelns nicht bewusst gewesen, spricht er sich seine eigene Berufsqualifikation und Börsen-Expertise ab.

Beharrte er auf seiner Berufsqualifikation, spricht er seiner eigenen Bank Kundenorientierung, Loyalität und Seriosität ab.

Diese Zwickmühle ist unangenehm, aber unvermeidbar.

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Planungs-Kompass für Social Media – Analyse der Strategie-Formel in drei Teilen

Studie entschlüsselt Mechanismen anhand der Kommunikations-Prozesse im arabischen Frühling.

Social Media sind in aller Munde. Die einen sind begeistert von den neuen Kommunikationskanälen, andere fürchten um die Kommunikationskultur und um den Bestand unseres gewohnten Medienangebots.

Lösen wir uns von vorschnellen Werturteilen und beschäftigen wir uns mit folgender Fragestellungen:

Welchen Einfluss haben Social Media tatsächlich auf Meinungsbildungsprozesse? Welche Risiken und welche Chancen bieten sie uns in Zukunft?

Zu diese Fragen gab es bisher keine schlüssigen Antworten.

Einen guten Eindruck davon, wie Social Media wirken, welche Faktoren sie voraussetzen und welche Auswirkungen sie auf die Massenkommunikation haben, zeigt eine Studie, die ein Team von Kommunikationswissenschaftlern an der University of Washington Ende letzten Jahres vorgelegt hat. Im Rahmen des PITTPI (“Project on Information Technology and Political Islam”) haben sie detailreich die Rolle der Social Media während des arabischen Frühlings untersucht.

Im Rahmen eines dreiteiligen Beitrags schauen wir im Folgenden auf die Ergebnisse der Studie, um folgende Fragen zu beantworten:

  • Welche Wirkungen hatten Social Media auf Meinungsbildungsprozesse?
  • Wie ist die Wirkung dieser Medien im Einzelnen einzuschätzen – welche Meinungsbildungsfunktionen haben jeweils Videoportale wie Youtube, Mikroblogs wie Twitter, Online-Communities wie Facebook und Weblogs?
  • Wie ergänzen sich die Wirkungen dieser Social Media zu einem Gesamtresultat?
  • Was können Gestalter von Kommunikations-Maßnahmen und Kommunikations-Berater aus den Antworten auf diese Fragen lernen?

 

Nach der Zusammfassung der Ergebnisse verfügen wir im dritten Beitrag über ein Wirkungsmodell der Social Media, das als praktisches Instrument der Entwicklung wirkungsvoller Kommunikations-Maßnahmen dient.

Arab 11

 

Hier geht es zum Teil 1: Social Media lassen die Erde schneller drehen!

 

Hier geht es zum Teil 2: Social Media beschleunigen den Gang der Weltgeschichte

Hier geht es zum Teil 3: Das Wirkungsmodell der Social Media für die Kommunikations-Planung nutzen

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Egoisten schädigen die Ökonomie – neues Wirtschaftsdenken erforderlich

Altruistische Bestrafer verfolgen Egoisten

Revision des ökonomischen Menschenbildes

Empirische Wissenschaftler haben in den letzten Jahren nicht nur gezeigt, dass das klassische Menschenbild unzutreffend ist. Sie haben darüber hinaus einen komplett neuen Entwurf einer Wirtschafts–Anthropologie vorgelegt, dem wir uns nun zuwenden wollen. Dazu gehen wir auf die Untersuchungen ein, die am Institut für Empirische Wirtschaftsforschung der Universität Zürich von Mitarbeitern rund um den österreichischen Wirtschaftswissenschaftler Ernst Fehr unternommen wurden.

Die Forscher fanden unter anderem heraus, dass reiner Egoismus bei Wirtschaftsakteuren eine Ausnahmeerscheinung darstellt und egoistisches Verhalten im Wirtschaftssystem keineswegs vorherrschend ist.

Ihre Forschungen ergaben, dass die Orientierung von Wirtschaftsakteuren
sehr unterschiedlich sein kann. Es treten im Wirtschaftsleben beide Extreme
auf:

Es gibt radikal egoistisches und radikal altruistisches Verhalten. Allerdings
sind die meisten Akteure »Kooperateure« oder so genannte »Reziprokateure«,
nämlich Personen, die längst nicht nur ihren eigenen Nutzen im Auge haben,
sondern genau darauf schauen, wie sich andere Marktteilnehmer verhalten.


Gängiges Handlungsmodell im Umbau

Im Einzelnen brachten ihre Ergebnisse die schweizer Forschergruppe dazu,
das bisher gängige Handlungsmodell in der Ökonomie umzubauen. Sie leiteten
die wahrscheinlich seit Jahrzehnten folgenreichste Wende des ökonomischen
Paradigmas ein. Und zwar revidierten sie die Hauptannahmen hinter
dem oben skizzierten Modell des ökonomischen Mainstreams:

1. Alle Wirtschaftssubjekte sind rational – was immer die Ziele eines Wirtschaftssubjekts sind, es setzt die besten Mittel zur Erreichung dieser Ziele ein.

2. Alle Wirtschaftssubjekte sind eigennützig, das heißt, sie sind ausschließlich an
der Maximierung des materiellen Eigennutzens interessiert.

Diese beiden Punkte revidierten sie folgendermaßen:

*1. Ein substanzieller Anteil der Wirtschaftssubjekte handelt situationsweise nicht rational.

*2. Ein substanzieller Anteil der Wirtschaftssubjekte ist nicht nur an der Maximierung des materiellen Eigennutzens interessiert, sondern hat soziale und altruistische Präferenzen und Ziele.

 

Die Forscher ziehen insgesamt die Schlussfolgerung:

Während sich die ökonomische Handlungstheorie in der Vergangenheit
als »Königin der Sozialwissenschaften« feiern ließ, zeigt sich heute, dass sie
zwar über elegante Theorien und Modelle verfügt. Diese haben aber zu wenig
Anwendbarkeit in der Realität – sie konstruieren mit ihren Theorien lediglich
ein »Königreich« außerhalb der ökonomischen Wirklichkeit.

Von ihrem eigenen revidierten Konzept erhoffen sich die Forscher in Zürich,
ein Paradigma gefunden zu haben, das in Zukunft ein besseres Verständnis
von Unternehmen, von Marktverhalten, von Politik und Gesellschaft ermöglicht.
Diese verbesserte Leistung erwarten sie aufgrund der Verbesserung der
ökonomischen Theorie auf der Basis von empirischem Wissen, das sie aus
Psychologie und Soziologie beziehen und in die ökonomische Theorie integrieren.

Was ist im Kern nun anders am revidierten Menschenbild dieser empirischen
Wirtschaftswissenschaftler?

Ihre empirische Wirtschafts–Anthropologie behauptet, dass sich die meisten
Akteure so lange altruistisch verhalten, als sich die anderen Marktteilnehmer
auch so verhalten. Wirtschaftsakteure verhalten sich ihrer Meinung
nach in dieser Weise stark reziprok. Damit verbunden sehen die empirischen
Wirtschaftsforscher die Bereitschaft von Marktteilnehmern, andere Akteure
zu bestrafen, die sich weigern, reziprok zu handeln, und sich stattdessen als
»Trittbrettfahrer« einseitig auf Kosten anderer Nutzen verschaffen.

Das bedeutet, Wirtschaftsakteure sind »altruistische Bestrafer«, die für ihre
Bestrafungsinitiativen und –handlungen zur Verteidigung kollektiven Nutzens
sogar Kosten und Mühen in Kauf nehmen, ohne dafür wiederum irgendeine
Belohnung zu erwarten. Die Forscher vermuten, dass aufgrund von altruistischem
Bestrafungsverhalten in Wirtschaftssystemen ein kooperatives Verhalten
sui generis zu Stande kommt.

Kooperatives Verhalten ist störanfällig.

Dieses kooperative Verhalten hat aber die Tendenz gestört und schließlich
zum Erliegen zu kommen, wenn in Handlungssituationen egoistisches Verhalten
auf Kosten Anderer nicht unmittelbar sanktioniert wird. Wenn Akteure
keine Möglichkeit haben, Egoisten umgehend zu stoppen, sehen sie sich
gezwungen, ihr ursprünglich altruistisches Verhalten und ihre Reziprokität
abzulegen, um sich vor Schaden durch unsanktionierten Egoismus von Trittbrettfahrern zu schützen.

 

Auszug aus:

Heinz W. Droste: Kommunikation – Planung und Gestaltung öffentlicher Meinung; Band 2: Mechanismen – Kapitel 10 – Anthropologie der Konzeptionstechnik: Motivation – Basis menschlicher Kommunikation; S. 297-299

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Erfolgsformel Teil 3: Das Wirkungsmodell der Social Media für die Kommunikations-Planung nutzen

(Studie entschlüsselt Mechanismen anhand der Kommunikations-Prozesse im arabischen Frühling – Teil 3)

Social Media – Wirkungsmodelle und Planungsinstrumente

Wir schauen uns das Wirkungsmuster hinter den Social Media genauer an, um zusätzlich auch die ausschlaggebenden Mechanismen in einem Strategie-Modell festzuhalten. Dazu starten wir mit dem Modell der Ausgangslage im arabischen Frühling. Die betroffenen Länder waren wie gesehen durch eine fragmentierte Sozialstruktur geprägt:

Arab 1

 (Zum Betrachten der Details anklicken!)

An Demokratisierung interessierte Personengruppen hatten enge Beziehungsnetze aufgebaut, die zum Schutz vor staatlichen Sanktionen nach außen isoliert waren. Diese Beziehungen waren stabil und gaben den Individuen Schutz, hatten aber durch Isolierung die Tendenz, sich für einen schnellen Meinungs-Austausch gegenüber anderen Gruppen abzukapseln.

Die Wirkung der Social Media während des arabischen Frühlings bestand darin, diese fragmentierte Sozialstruktur zu überbrücken. Wenn wir die Vorgänge darstellen wollen, fragen wir nach den Mechanismen, die diese Wirkung erreichten.

Der Begriff des Mechanismus ist in der Kommunikationsbranche verbreitet, wird hier synonym mit Begriffen wie “Effekt”, “Wirksamkeit” usw. verwendet. Das ist uns zu ungenau und unspezifisch.
Wir präzisieren den Begriff, indem wir uns auf seine Verwendung in den Sozialwissenschaften beziehen. Dazu ein Blick auf das allgemeine Modell eines “Kommunikations-Mechanismus”

Arab 2

 (Zum Betrachten der Details anklicken!)

 

Das Modell des Kommunikations-Mechanismus ist ein Phasen-Modell.

In einer Phase 1 beeinflussen Interaktionen auf einer Makroebene – etwa Kommunikationsprozesse in einer Gruppe – Individuen. Diese Phase wird als die »Situative Phase« bezeichnet. Abstrakt gesagt: Ein verändertes Kollektivmerkmal wirkt sich auf ein Individualmerkmal aus – die Ausgangssituation für die nun folgenden Reaktionen auf der Ebene der interagierenden Individuen ist hergestellt.

In einer Phase 2 verarbeiten die betroffenen Individuen die Auswirkungen des veränderten Kollektivmerkmals – zum Beispiel eine veränderte Informationslage – und reagieren mit geändertem zielgerichtetem Verhalten. Diese Phase wird als »Handlungsformierungs–Phase« bezeichnet.

In einer Phase 3 tritt als Ergebnis des Zusammenwirkens des geänderten individuellen Verhaltens auf der Makroebene ein kausal bewirktes Aggregatmerkmal auf, das bisherige soziale Prozesse und Strukturen verändert, transformiert. Diese Phase wird als »Transformierungs–Phase« bezeichnet: Individuelles Verhalten zeigt auf der sozialen Ebene Wirkungen, die von den Akteuren beabsichtigt – intendiert – oder nicht beabsichtigt – nicht–intendiert – sind.

Im Fall des arabischen Frühlings war es nicht so, dass Berichte über ein Ereignis direkt zu individuellen Überlegungen, zu Gesprächen und diese wiederum zu einer veränderten gesellschaftlichen Situation geführt hätten.

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Erfolgsformel Teil 2: Social Media beschleunigen den Gang der Weltgeschichte

(Studie entschlüsselt Mechanismen anhand der Kommunikations-Prozesse im arabischen Frühling – Teil 2)

Social Media – Das Wirkungsmodell und Werkzeuge der Gestaltung von Meinungsbildung

Soweit die Zusammenfassung der Studie “Opening Closed Regimes”.

Bevor wir mit der »Tiefen-Auswertung« der Forschungsergebnisse starten, ein paar Worte der Klärung:

Die Autoren der Studie sind als Forscher Kommunikations-Experten. Sie betrachten die Vorgänge, analysieren und suchen nach Kausalitäten. Sie sind allerdings nicht wie wir daran interessiert, die Ergebnisse so weiterzuverwerten, dass daraus Kommunikationsstrategien und Handlungsanweisungen ableitbar werden. Sie verfolgen ihr Thema als Wissenschaftler mit einem typischen “wissenschaftlichen Approach”. Als Wissenschaftler sind sie an den Details der Welt und ihrer theoretischen Erfassung interessiert. Wissen ist in diesem Sinne der “Endzweck” ihrer Arbeit.

Wir machen an dieser Stelle einen Schnitt und übernehmen die weitere Ausdeutung der Studienergebnisse “in eigener Regie”, indem wir von hier an einen “soziotechnologischen Approach” anwenden. Was das heißt? Für uns ist das Wissen um die Vorgänge im Frühjahr 2011 kein Endzweck. Wir wollen aufgrund neuen Wissens über Kommunikation und Kommunikations-Prozesse Wege finden, in Zukunft die Welt – insbesondere Meinungsbildungsprozesse – zu gestalten.
Sagen wir es noch deutlicher:

In der Wissenschaft ist bewusst herbeigeführter Wandel – wie der in der Studie betrachtete arabische Frühling – ein Mittel um Wissen zu erlangen.

Für uns verhält es sich genau umgekehrt: Als Kommunikationsberater und Konzeptioner sind wir Soziotechnologen. Dieses wissenschaftliche Wandlungswissen ist für uns ein Mittel, um Wandel herbeizuführen.

Im Fokus des Interesses des Konzeptioners oder Kommunikations-Beraters mit soziotechnologischen Kompetenzen steht das für Interventionen verwertbare wissenschaftlich fundierte Wissen. Dabei liegen die spezifischen Mechanismen im Zentrum, die hinter Kommunikations–Prozessen wirken.

Das Wissen über Kommunikations–Mechanismen, deren Funktionsweisen, deren Beeinflussbarkeit und Gestaltbarkeit ist die wesentliche Ressource, die Kommunikations-Konzeptioner aus dem Feld empirischer Forschung beziehen wollen. Anknüpfend an dieses Wissen entwickeln sie zukünftig ihre Werkzeuge und Maßnahmen–Pakete.

Damit ist die Frage klar, deren Beantwortung uns in diesem Abschnitt beschäftigen wird:

Welche Kommunikations-Mechanismen werden durch den Einsatz von Social Media in Gang gesetzt und wie können wir diese Mechanismen für die Gestaltung von Kommunikations-Maßnahmen nutzen?

Beginnen wir zügig mit der Beantwortung:

Die vorliegende Studie hat differenziert betrachtet erbracht, dass die Social Media wie Blogs, Facebook, Twitter und Youtube jeweils grundlegend unterschiedliche Wirkungen auf die lokale politische Kommunikation ausgeübt und unterschiedliche Kommunikations-Funktionen erfüllt haben.

Schauen wir uns zunächst das ermittelte Gesamtbild und die wichtigsten Trends darin an, die im Zusammenhang mit der Wirkung von Social Media standen:

Blogs:
Die Blogosphären schafften einen Raum für öffentlichen politischen Dialog über die Regime und deren kritikwürdiges Verhalten, etwa über deren Korruptheit. Blogs waren ebenfalls ein Podium für die wirkungsvolle Inszenierung der Botschaft “Das Ende der Diktatur ist gekommen – wir schaffen die Umwälzung jetzt!” Blogs dienten als Plattform für grundsätzliche Diskurse sowie für die Begründung und Legitimation demokratischer Wertvorstellungen.

Facebook:
Facebook funktionierte als zentrale Community für die verschiedenen Gruppen, die ihre Unzufriedenheit artikulieren wollten. Hier fanden Individuen emotionalen Rückhalt, die unterschiedlichen beteiligten Gruppierungen nutzten es als Plattform, um Zusammenhalt zu demonstrieren.

Twitter:
Twitter diente dazu, Berichte über erfolgreiche politische Mobilisierungen innerhalb und außerhalb der Region zu verbreiten. Außerdem war es ein wirkungsvolles Instrument zur Koordination der politischen Aktivitäten in den Städten. Twitter diente zur strategisch-taktischen Abstimmung und zur praktischen Nutzung der Chancen, durch Aktivitäten vor Ort den Wandlungsprozess zu unterstützen.

Youtube:
Während der Proteste fungierten Youtube und andere Videoportale als zentrale Plattform für journalistisch aktive Bürger (“citizen journalists”), um mit Handys und Amateur-Camcordern produzierte Film-Berichte über die Revolution zu verbreiten. Diese Amateur-Filme füllten die Lücke, welche die Vertreter der Medien hinterließen, die in beiden Ländern nicht willens oder durch die Staatsmacht daran gehindert waren, die revolutionären Geschehnisse öffentlich zu dokumentieren. Youtube war der Kanal der schnellen Vermittlung von relevanten Informationen. Da Filmdokumente häufig aufgrund ihrer Anschaulichkeit keiner Übersetzung bedürfen, beschleunigten sie die internationale Verbreitung dieser Informationen.

Damit verfügen wir bereits an dieser Stelle über folgendes einfaches Social Media-Empfehlungs-Modell:

 

  • Weblogs einsetzten, für begründete und legitimierende Aspekte der Kommunikation von Unternehmen und Institutionen

 

 

  • Facebook einsetzen, um Communities zu bilden, welche die Loyalität von Individuen zu Produkten, Dienstleistungen usw. unterstützen

 

 

  • Twitter einsetzen, um das Engagement von Individuen herauszufordern und um sie gezielt auf Aktivitäten aufmerksam zu machen

 

 

  • Youtube einsetzen, um die schnelle Information von Zielgruppen zu aktuellen Themen zu erreichen

 

 

Arab 11

Morgen geht es weiter mit detaillierten Charts und ausführlichen Arbeitsmodellen.

 

(Wird fortgesetzt mit Social Media: Das Wirkungsmodell und Werkzeuge der Gestaltung von Meinungsbildung – Erfolgsformel für Social Media-Strategien entdeckt? Teil 3)

 

Quelle und weiterführende Literatur:

Opening Closed Regimes: What Was the Role of Social Media During the Arab Spring?

Heinz W. Droste, Kommunikation: Planung und Gestaltung öffentlicher Meinung; Band 1: Grundlagen; Band 2: Mechanismen; Neuss: 2011.

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Erfolgsformel Teil 1: Social Media lassen die Erde schneller drehen!

Studie entschlüsselt Mechanismen anhand der Kommunikations-Prozesse im arabischen Frühling.

Social Media sind in aller Munde. Die einen sind begeistert von den neuen Kommunikationskanälen, andere fürchten um die Kommunikationskultur und um den Bestand unseres gewohnten Medienangebots.

Lösen wir uns von vorschnellen Werturteilen und beschäftigen wir uns mit folgender Fragestellung:

Welchen Einfluss haben Social Media tatsächlich auf Meinungsbildungsprozesse? Welche Risiken und welche Chancen bieten sie uns in Zukunft?

Zu diesen Fragen gab es bisher keine schlüssigen Antworten.

Einen guten Eindruck davon, wie Social Media wirken, welche Faktoren sie voraussetzen und welche Auswirkungen sie auf Massenkommunikation haben, zeigt eine Studie, die ein Team von Kommunikationswissenschaftlern an der University of Washington Ende letzten Jahres vorgelegt hat. Im Rahmen des PITTPI (“Project on Information Technology and Political Islam”) haben sie detailreich die Rolle der Social Media während des arabischen Frühlings untersucht.

Social Media-Strategien: Was lernen wir aus dem arabischen Frühling?

Bis zum Herbst 2011 war das, was über die Rolle der Social Media im arabischen Frühling diskutiert wurde, verkürzt und spekulativ.

Die Wissenschaftler und Autoren der Washingtoner Studie waren bestrebt, hier Abhilfe zu schaffen. Dabei konzentrierten sie sich auf die Vorgänge in Tunesien und Ägypten. Für diese beiden Länder standen ihnen die umfassenden Daten und Fakten zur Verfügung, die notwendig sind, um grundlegend Licht auf die Wirkweisen der Social Media im arabischen Frühling zu werfen.

Den Forschern gelang eine “Kartierung” – ein Mapping – mit Blick auf die wichtigsten politisch aktiven Websites in Tunesien und Ägypten. Sie konnten für die Zeit vor den Umwälzungen, während der Revolution und die Monate danach die Diskussionen in den betreffenden Blogosphären nachzeichnen. Sie analysierten Millionen von Tweets mit Blick auf verwendete Schlüsselbegriffe. Parallel konnten sie nachvollziehen, wie Tausende von Internetnutzer außerhalb von Tunesien und Ägypten – in der arabischen Nachbar-Welt, aber auch weit darüber hinaus – die Vorgänge in beiden Ländern mit Hilfe von Social Media verfolgten und kommentierten.

Im Rahmen des vorliegenden Beitrags werden wir uns die Ergebnisse der Studie ansehen, um folgende Fragen zu beantworten:

  • Welche Wirkungen hatten Social Media auf Meinungsbildungsprozesse?
  • Wie ist die Wirkung dieser Medien im Einzelnen einzuschätzen – welche Meinungsbildungsfunktionen haben jeweils Videoportale wie Youtube, Mikroblogs wie Twitter, Online-Communities wie Facebook und Weblogs?
  • Wie ergänzen sich die Wirkungen dieser Social Media zu einem Gesamtresultat?
  • Was können Gestalter von Kommunikations-Maßnahmen und Kommunikations-Berater aus den Antworten auf diese Fragen lernen?

Wir starten unmittelbar damit, diese Fragen zu beantworten, indem wir die Resultate der Studie “Opening Closed Regimes” (“Öffnung geschlossener Regime”) skizzieren.

Nach der Zusammfassung der Ergebnisse verfügen wir über ein Wirkungsmodell der Social Media, das als praktisches Instrument der Entwicklung wirkungsvoller Kommunikations-Maßnahmen dient.

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Mythos “virale” Kommunikation

Der Mythos des viralen Wissens und der viralen Kommunikation

Der Mythos besteht darin, anzunehmen, dass die von den Gehirnen losgelöst
vorgestellten Gedankengänge mit einem Eigenleben versehen sind.

Da Gedanken und Ideen im Gegensatz zu Organismen weder lebendig
sind, noch eine eigenständige Existenz haben, sollte klar sein, dass Ideen sich
nicht selbst replizieren können.

Genau so wenig kommt es vor, dass sich Gedanken selbständig fortentwickeln
und »reifen«, auch wenn es oft so formuliert wird.

 

Aus:
Heinz W. Droste: Kommunikation – Planung und Gestaltung öffentlicher Meinung; Band 1: Grundlagen; Neuss 2011 – Kapitel 7 (Mythos des subjektlosen Wissens; S. 196)

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Abschied von der PR-Rakete – neue Regeln für die Ansprache von Journalisten

Public Relations-Nostalgie – die Konzeptions-Rakete

Dö's PR-Rakete in Aktion

»Konzeptions-Papst« Klaus Dörrbecker, der sich selber bei seinen Seminaren gerne als »Dö« stilisierte, schreibt in der Konzeptionslehre, die jahrzehntelang das Denken von PR-Leuten in Deutschland geprägt hat:

»Die vollständige Kommunikationsstrategie besteht aus diesen vier verbindlichen Teilen: ‹Strategische Zielsetzung, Dialoggruppen, Kommunikationsinhalte nebst Positionierung und strategische Umsetzung/Kräfteeinsatz› [...]«(1)

Mit dieser Definition legt er die Rolle des »Konzeptions–Strategen« auf die Vorstellung von einer militärischen Strategie fest, nämlich auf die angebliche »Kunst«, durch »geschickte« Führung des Heers im Krieg »dem Gegner den eigenen Willen aufzuzwingen«(2) – der Konzeptioner als quasi–militärischer Stratege, der Soldaten und Waffen formiert, um gegen den Feind zu ziehen. Dörrbecker schreibt von schlachtentscheidenden Waffengattungen, die taktisch geschickt gegen den Gegner zu führen sind.(3)

Kommunikations–Konzepte mutieren bei ihm zu Raketen, die sich auf feindliche Positionen stürzen, nachdem »eine Konzeptstufe nach der anderen gezündet« wurde, um dort die rhetorische Kraft des mitgeführten Sprengstoffes entfalten zu lassen. So soll der kommunikative Widerstand der Gegner gebrochen werden.

PR-Rocket-ManKonzeption wird zur »strategischen Waffe« stilisiert, gestaltet nach dem Muster der V2–Rakete«, der maßgeblich in den 1930er und 1940er Jahren entwickelten, mehrstufigen deutschen »Wunderwaffe«. Zwar wurde diese Waffe des Zweiten Weltkriegs später Modell für die Trägerraketen der bemannten Raumfahrt, etwa der Mondmission. Die »Raketen–Metapher« könnte vor diesem Hintergrund für harmlos gehalten werden. Aber letztlich ist der Haupteinsatzbereich dieser Raketentechnologie militärisch und erfüllt auch heute noch den kriegerischen Zweck der ursprünglichen »Vergeltungswaffe Nummer 2«: Sprengköpfe mit todbringender Ladung zu strategisch wichtigen Zielen zu tragen.

 

»dem Gegner den eigenen Willen aufzuzwingen«

Dörrbeckers Metaphorik hinterlässt keinen Zweifel daran, wie er sich den idealen Kommunikations–Strategen vorstellt: als Konzeptioner, der idealerweise ein durch die »Sprengkraft« seiner Argumente und Maßnahmen zerbombtes »Schlachtfeld« hinterlässt, das die Argumentationsgegner kapitulierend fliehen und in Scharen auf die Seite der »Wahrheit« der Angreifer überlaufen lässt.

Gewiss hat Dörrbecker insoweit recht, dass Konzeptionen strategischen Wert haben sollten. Doch seine Metaphorik ist fehlleitend und geht am Wesen gesellschaftlicher Kommunikation vorbei. Kommunikation und entsprechend Konzeption sind nicht adäquat als ferngelenkte Bombardierung von anonymen Zielgruppen mit »entwaffnenden« Botschaften zu beschreiben.

 

Neue Regeln für Presse- und Medienarbeit

Wie wirkt Dörrbeckers Raketen-Strategie heute auf Betroffene? Viele PR-Managerinnen und –Manager haben immer noch das Raketen-Konzept im Hinterkopf und »bombardieren« Redaktionen unaufgefordert mit ihren Botschaften in Form von Pressemitteilungen – per Email, Fax oder Postsendung. Der Erfolg dieses »klassischen“ Vorgehens ist, dass Journalisten die Bezeichnung „PR-Profi“ für ein Synonym des Begriffs »Spammer« halten, also für die Bezeichnung einer Person, die ohne zu recherchieren, womit sich einzelne Medien beschäftigen, Kommunikations-Kanäle mit »Informations-Müll« zuschüttet.

PR-Leute, die erfolgreich und wirkungsvoll arbeiten, nutzen deshalb heute andere Strategien.

Ihre Regeln für Presse- und Medienarbeit sehen im Kern folgendermaßen aus:

(1) Der begründete Verdacht, eine Spammerin oder ein Spammer zu sein, stellt für PR-Profis den »Größten Anzunehmende Unfall« (PR-GAU) dar!

(2) Pressemitteilungen, die nicht genau auf die Journalisten der Adressaten-Redaktion zugeschnitten wurden, sind Spam!

(3) Persönliche Beziehungen zu Redakteuren sind wichtig!

(4) Redakteure sind möglichst individuell anzusprechen. Dazu schauen wir uns ihre Beiträge genau an und erforschen ihre Interessenlage!

(5) Wir behelligen Redakteure nur dann, wenn unsere Botschaften tatsächlich zu dem dabei ermittelten Profil passen!

(6) So lange wir keine Redakteure gefunden haben, deren Interessenlage zu unseren Botschaften passen, schicken wir keine Presseinformationen an Redaktionen!

(7) Sind nach intensiver Recherche keine passenden Redakteure zu ermitteln, deutet sich an, dass unsere Aufgaben nicht durch Presse- und Medienarbeit zu lösen sind. Wir sehen uns deshalb rechtzeitig nach anderen Kommunikationskanälen um!

Wer also bei seiner Medienarbeit einen PR-GAU vermeiden möchte, gibt die Konzeptions-Rakete zum Alteisen und richtet sich neu aus.

Wallpaper-Download für die tägliche Erinnern

Als Andenken und Warnung vor den Risiken der »vorzeitlichen« Kommunikations-Strategie können die Leser hier ein Wallpaper herunterladen und auf ihrem Desktop aktivieren.

PR-Desktop

»Background“-Botschaft ist selbstverständlich das 1. PR-Gebot: »Du sollst nicht spammen!«

Anmerkungen:

Zu 1: Dörrbecker/Fissenewert-Grossmann, wie Profis PR-Konzeptionen entwickeln; Frankfurt/M. 2003; S. 54

Zu 2: Ebenda S. 50

Zu 3: Ebenda

Quelle:

Heinz W. Droste; Kommunikation – Planung und Gestaltung öffentlicher Meinung; Band 1: Grundlagen; Neuss 2011.

Raketen-Design und -Illustration:

www.konzeptionstechnik.de

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